Der Lampang-Motorrad-Loop im Norden Thailands führt uns von Chiang Mai über den Khun Tan Nationalpark nach Lampang und anschließend durch die Berge zurück – vorbei am Tempel Wat Pranom, durch stille Berglandschaften und schließlich zum romantischen Gebirgsdorf Mae Kampong, bevor wir wieder Chiang Mai erreichen.
Die Reise beginnt in Chiang Mai. Zunächst verlasse ich die Stadt auf der Autobahn 1006, bis ich nach etwa einer halben Stunde in Mae On rechts auf die kleine Landstraße 1229 abbiege. Kurz darauf passiere ich die Passhöhe am Mae Ta Khrai National Park – kein Kontrollposten, nur eine Hütte mit Kamera und Mikrofon.
Die Strecke führt weiter durch ein weites Tal, dessen Reisterrassen, Felder und Palmenhaine eine fast idyllische Ruhe ausstrahlen. An einer unscheinbaren Abzweigung geht es links zum Khun Tan Nationalpark und hinunter zum kleinen Bahnhof Khun Tan.
Obwohl der Nationalpark in den Wintermonaten geschlossen ist, lohnt sich der Halt dennoch: Das Highlight ist der Khun-Tan-Eisenbahntunnel, der kurz vor dem Parkeingang beginnt. Am Parkplatz direkt an den Gleisen gibt es ein Café und ein Restaurant – ein perfekter Ort für eine kurze Pause.
Nur ein paar Schritte weiter erreicht man den Eingang des 1.362 Meter langen, eingleisigen Tunnels. Er wurde ab 1913 als Teil der nördlichen Bahnlinie erbaut und erst 1922 eröffnet. Die Bauarbeiten leitete der deutsche Ingenieur Emil Eisenhofer, dessen Asche – ebenso wie die seiner Frau – später am Nordportal beigesetzt wurde. Ein eindrucksvolles Grabmal erinnert bis heute daran.
Der Tunnelausgang und der kleine Bahnhof sind liebevoll gestaltet und gelten als lokale Sehenswürdigkeit. Besonders charmant: Ein Blick in das alte Stellwerk, das vermutlich noch aus Zeiten Eisenhofers stammt.
Die Straße führt nun weiter durch bewaldete Berghänge, vorbei an hoch aufragendem Chinaschilf („Elefantengras“), dessen lange Halme sich häufig über die schmale Fahrbahn neigen. Schließlich öffnet sich das Gelände, die Besiedlung nimmt zu, und langsam fahre ich ins Stadtgebiet von Lampang hinein. Meine Route führt direkt durch das Zentrum und über den Ping-Fluss. Für die Nacht beziehe ich mit dem Ceniq Hotel ein neues, günstiges Hotel am ruhigen Stadtrand.
Am Morgen erkunde ich noch ein wenig die charmante Altstadt Lampangs – geprägt von zahlreichen Tempeln, traditionellen Holzhäusern und dem markanten Uhrenturm.
Entlang des gut ausgebauten Highways 1035 geht es dann Richtung Berge, die sich heute im Dunst verstecken. Nach etwa einer Stunde erreiche ich den Abzweig zum Kew (Kiu) Lom See. Die vier Kilometer vom Highway bis ans Ufer lohnen sich: Der Blick über den Stausee und die dahinterliegende Bergkette ist beeindruckend. Unter der Woche liegt der Ort ruhig da; am Wochenende herrscht hier deutlich mehr Betrieb mit Bootstouren und Ausflugslokalen. Der See entstand 1968 durch den Kew-Lom-Damm und dient der Bewässerung und Wasserversorgung umliegender Dörfer. In der Nähe gibt es mehrere Aussichtspunkte, Unterkünfte und Campingmöglichkeiten.
Zurück auf dem Highway endet bald der gut ausgebaute Abschnitt und mündet in eine Landstraße. Wenige Minuten später zweigt links der Weg zum Tempel Wat Chaloem Phra Kiat Phrachomklao Rachanuson ab – besser bekannt als „Sky Pagoda“.
Der Tempel wurde 2004 unter Leitung eines verdienten Mönchs mit Hilfe von 46 Arbeitern vollendet. Die vielen weißen und goldenen Pagoden, die frühmorgens über den Wolken zu schweben scheinen, geben dem Ort seinen magischen Beinamen „schwebender Tempel“.
Der Besuch ist bestens organisiert: Der Nationalparkeintritt für Ausländer beträgt 200 Baht, der Transport mit Pickup zum oberen Eingang nochmals 90 Baht.
Die extrem steile Straße darf man nicht selbst befahren, erfahrene lokale Fahrer übernehmen das. Die Fahrt dauert etwa 20 Minuten. Oben angekommen führt ein kurzer Weg zum Beginn des Aufstiegs: rund 800 Treppenstufen aus Metall, die sich gut hinaufsteigen lassen.
Der letzte Abschnitt hinauf zur Hauptpagode ist nochmals steil, doch der Panoramablick vom Gipfel ist grandios – bei guter Sicht kann man weit über die Bergregion blicken. Eine kleine Gedenkhalle auf einem Nachbargipfel ergänzt den Besuch.
Nach dem Abstieg und der Rückfahrt geht es weiter über schmale, kurvenreiche Bergstraßen. Rund 40 Kilometer und etwa zwei Stunden dauert die Fahrt, die uns bis Mae Kampong führt. Die Strecke ist wenig befahren, dafür teilweise von Laub, Sand und Nässe bedeckt – Vorsicht ist geboten. Nur selten öffnet sich der Blick ins Tal.
Schließlich erreiche ich Mae Kampong, ein echtes Highlight der Region Chiang Mai. Das idyllische Bergdorf besteht aus mehreren Straßenzügen, gesäumt von traditionellen zweistöckigen Holzhäusern. Der obere Teil bietet Cafés mit fantastischer Aussicht ins Tal, im unteren befinden sich viele kleine Restaurants, Souvenirgeschäfte und Kaffeeläden. Trotz des Tourismus wirkt das Dorf authentisch, liebevoll dekoriert und geschichtsträchtig.
Hinter Mae Kampong führt die Straße hinunter ins Tal, vorbei an unzähligen Hotels, Homestays und Campingplätzen – die frische Bergluft und das angenehme Klima machen die Gegend zu einem beliebten Ziel.
Hier ließe sich problemlos eine weitere Nacht verbringen. Doch ich entscheide mich für die Rückfahrt und nehme den Highway 118, der mich in etwa einer Stunde direkt zurück nach Chiang Mai bringt.