Ich (Gerald) reiste von Bangkok über Jakarta auf die indonesische Insel Timor nach Kupang und weiter quer über die Insel nach Osttimor (amtlich Demokratische Republik Timor-Leste). Dort besuchte ich zunächst die Hauptstadt Dili und anschließend die Insel Atauro mit ihren einzigartigen Korallenriffen. Die Weiterreise mit dem Motorroller führte mich entlang der Küste nach Baucau und über holprige Straßen bis nach Viqueque, bevor ich wieder zurückkehrte. Auf der Route entdeckte ich traditionelle Häuser, kleine Dörfer, Kirchen und beeindruckende Landschaften, aber auch viel Verfall und Armut. Zum Abschluss verbrachte ich noch zwei erholsame Tage auf Bali, bevor es zurück nach Bangkok ging.
Von Bangkok fliege ich in rund drei Stunden nach Jakarta. Aufgrund der Unruhen und Demonstrationen in der vergangenen Woche habe ich mich entschieden, mein Hotel nicht wie üblich in Menteng, sondern im Stadtteil Kota Tua nahe dem Hauptbahnhof zu nehmen – nördlich jener Gegenden, in denen es zuletzt zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei kam.
Am Fatahillah-Platz befand sich einst das angesehene und zugleich gefürchtete Verwaltungszentrum der mächtigen niederländischen Ostindien-Kompanie. Mit Gewürzen, Tee und anderen wertvollen Handelsgütern brachte sie den Niederlanden ein Vermögen ein.
Heute prägen bunte Vintage-Fahrräder, sogenannte Sepeda Ontel, sowie die Stände der Straßenhändler das Bild. Rundherum stehen Kolonialgebäude, die heute Museen oder Restaurants beherbergen. Im Zentrum liegt ein Brunnen, der früher die Wasserversorgung der Bevölkerung sicherstellte. Einst befanden sich hier auch die Hauptkirche der Stadt, der Gerichtshof, Banken und andere bedeutende Einrichtungen. Besonders sehenswert ist das Café „Old Batavia“, das mit seiner historischen Atmosphäre fast selbst wie ein Museum wirkt.
Nördlich des Flughafens von Jakarta entstand entlang der Küste das Neubaugebiet PIK und PIK2. Wohlhabende Indonesier finden hier moderne Wohnanlagen, kilometerlange Straßen, Einkaufszentren, Krankenhäuser, ein Messegelände und zahlreiche Attraktionen, die Einheimische wie Touristen anziehen. Besonders am Abend und an Wochenenden pulsiert das Leben – mit einer holländischen Straße, verschiedenen chinesischen Vierteln und einem Entertainmentkomplex an den Kanälen. Öffentliche Verkehrsmittel fehlen jedoch fast völlig; ohne eigenes Fahrzeug kommt man hier nicht weit.
Am frühen Morgen fliege ich in rund drei Stunden auf die zweigeteilte Insel Timor und lande in Kupang im indonesischen Westteil. Die Stadt selbst gibt leider nicht viel her: Trotz der Lage am Meer und der kilometerlangen Sandstrände wirkt alles vernachlässigt und zugemüllt.
Um 6 Uhr morgens startet der Bus in das rund 450 Kilometer entfernte Dili, die Hauptstadt Osttimors. Diese Route ist die einzige Möglichkeit, die abwechslungsreiche Landschaft Timors kennenzulernen, denn Direktflüge zwischen Kupang und Dili gibt es nicht. Insgesamt dauert die Fahrt 13 Stunden.
Auffällig sind die traditionellen, reetgedeckten Pavillons – Lopos genannt – die vor fast jedem Haus stehen. In moderner Ausführung sind sie mit Blechdächern versehen. Rund und spitz zulaufend, dienen sie als Versammlungsorte, Kochstellen, Schutz bei Regen oder einfach zum Plaudern.
Am Grenzübergang zwischen Indonesien und Osttimor, der nur zu Fuß passiert werden kann, verläuft die Einreise für deutsche Staatsbürger unkompliziert und kostenlos.
Am frühen Morgen bringt mich ein Fahrer zum Fährhafen von Dili. Von dort legt die Fähre nach Atauro ab – ein knapp dreistündiger Transfer mit dem Schiff „Berlin“, einem Geschenk Deutschlands an Timor-Leste vor etwa 20 Jahren.
Atauro liegt rund 30 Kilometer vor Dili, getrennt durch einen bis zu 3.000 Meter tiefen Wassergraben. Die Insel ist karg, der höchste Berg knapp 1.000 Meter hoch. Tourismus gibt es kaum, Resorts nur vereinzelt. Ich übernachte in einem Tauchresort, das ein Aachener seit über 20 Jahren betreibt. Am Nachmittag geht es mit dem Boot hinaus zum Schnorcheln – hier zeigt sich, warum Atauro die artenreichsten Korallenriffe der Welt beherbergt: Die Insel liegt im „Korallendreieck“, einem Hotspot mariner Biodiversität.
Am frühen Nachmittag bringt mich ein Schnellboot in nur anderthalb Stunden zurück nach Dili – über die mehr als 3.000 Meter tiefe Aileu-Formation. Am Hafen übernehme ich mein Motorrad und fahre ins Stadthotel.
Danach bleibt Zeit für eine kleine Stadtbesichtigung: Dili bietet eine weitläufige Strandpromenade, einen portugiesischen Supermarkt und einige Denkmäler, die an die schweren Kriege erinnern. In der großen katholischen Kathedrale nehme ich am Abendgottesdienst teil.
Am Morgen verlasse ich Dili und fahre zunächst zur Christusstatue auf einer Halbinsel vor der Stadt. Die 14 Meter hohe Figur wurde 1988 von Indonesien errichtet, der damaligen Besatzungsmacht. Entsprechend ist sie in der Bevölkerung nicht sonderlich beliebt, sondern erinnert eher an eine dunkle Epoche.
Auf dem weiteren Weg passiere ich den sogenannten 1-Dollar-Strand – früher mussten Ausländer hier einen Dollar Eintritt zahlen, heute ist das Gelände verfallen und geschlossen. Außerdem halte ich an der Gruta Santo Antonia Bee Head, einem kleinen Schrein am Straßenrand, der dem heiligen Antonius gewidmet ist und von einer Quelle gespeist wird.
Die Fahrt führt weiter entlang der Küste bis ins rund 120 Kilometer entfernte Baucau, das ich nach etwa drei Stunden erreiche. Die Stadt erstreckt sich über einen Hügel, wirkt zerklüftet, staubig und etwas verfallen. Ich übernachte in einem privaten Gästehaus für 30 Euro: sauber, aber schlicht eingerichtet.
Heute geht es ins Landesinnere nach Viqueque, fast bis an die Südküste. Für die knapp 65 Kilometer benötige ich fast drei Stunden: Die Straße ist zwar teilweise asphaltiert, doch immer wieder wechseln sich lange Abschnitte ohne Belag ab – eine regelrechte Buckelpiste, die nur langsames Fahren erlaubt.
Die Kleinstadt mit rund 5.000 Einwohnern hat weder Sehenswürdigkeiten noch gastronomische Angebote. Das einzige Café ist geschlossen, das einzige Gästehaus existiert offenbar nur auf Google Maps. Schließlich finde ich an der Hauptstraße ein Schild „Zimmer zu vermieten“ und miete mich dort ein. Einfach, aber immerhin mit Klimaanlage. Das Abendessen besteht aus einer Tütensuppe vom kleinen Laden nebenan.
Die Weiterfahrt nach Same habe ich verworfen: Für 120 Kilometer kalkuliert Google Maps bereits fünf Stunden, dazu kommt ein Fluss, dessen Brücke möglicherweise nicht befahrbar ist. Also fahre ich denselben Weg zurück.
Unterwegs beobachte ich in Ossu den Sonntagsgottesdienst, am frühen Nachmittag erreiche ich Baucau. Diesmal wähle ich ein komfortableres Hotel, das jedoch etwas außerhalb liegt.
Am Nachmittag entdecke ich ein reizendes Café mit traumhaftem Blick über die gesamte Bucht. Später fahre ich noch ein Stück die Küstenstraße entlang bis zum nächsten Ort.
Heute führt mich die Route zurück entlang der Küste nach Dili. Unterwegs halte ich in einem Café auf einer Anhöhe, von wo aus sich das weite Hinterland überblicken lässt. Am frühen Nachmittag erreiche ich die Hauptstadt, gebe das Motorrad zurück und bin überrascht, dass ich in den vergangenen Tagen über 500 Kilometer gefahren bin.
Am Morgen fliege ich mit Air Dili in knapp zwei Stunden nach Denpasar auf Bali. Mein Hotel liegt dieses Mal südlich des Flughafens in Jimbaran – ein großes Resort mit direktem Strandzugang. Die letzten beiden Tage sind zur Erholung gedacht. Am Abend genieße ich am Strand einen spektakulären Sonnenuntergang und gönne mir beim Italiener die erste Pizza seit langem.
Ein letzter Strandtag zum Ausruhen und Sammeln der Eindrücke. Am Nachmittag kaufe ich Souvenirs in einem pinkfarbenen Supermarkt, am Abend esse ich gemütlich im Hotel.
Zum Abschied regnet es den ganzen Tag. Am Abend geht es zurück nach Bangkok.