An einem besonders langen Wochenende – mit dem Tag der Arbeit am Freitag und dem Krönungstag am Montag – starte ich von Bangkok aus zu einer mehrtägigen Motorradtour in den Osten der Zentralebene Thailands.
Die Route führt zunächst nach Chachoengsao, bevor es weiter nordwärts bis in die Region von Nakhon Nayok geht, unweit und südlich des Khao Yai National Park. Anschließend verläuft die Strecke ostwärts nach Prachin Buri, bevor ich schließlich über Chachoengsao wieder zurück nach Bangkok fahre. Insgesamt verbringe ich vier Nächte unterwegs und habe so ausreichend Zeit, die unterschiedlichen Regionen entlang der Strecke intensiv zu erkunden.
Von Bangkok aus führt die Strecke ostwärts, vorbei am Suvarnabhumi Airport, in die Provinz Chachoengsao Province. Unterwegs passieren wir den bekannten Khlong Suan 100 Year Market, der auch bei den Bewohnern der Hauptstadt ein beliebtes Ziel für Tagesausflüge ist.
Der Markt liegt am Kanal Prawet Burirom und entstand bereits zu Beginn des letzten Jahrhunderts während der Regierungszeit von König Chulalongkorn. In einer Zeit, in der Kanäle, Wassertransport und Schifffahrt florierten, war die Region ein bedeutender Handelsplatz. Mit dem Wandel der Verkehrswege verlor der Markt jedoch an Bedeutung und verfiel zusehends, bevor er 1999 aufwendig restauriert und als „100-Jahre-Markt“ neu belebt wurde.
Heute begeistert er mit seinen zweistöckigen Holzhäusern im chinesisch-thailändischen Stil, einer großen Auswahl an Haushaltswaren und frischen Speisen sowie der entspannten Atmosphäre direkt am Wasser.
Ich folge der mehrspurigen Straße weiter und biege schließlich am auffälligen Wat Hua Suan nach links ab. Ein kurzer Halt lohnt sich hier auf jeden Fall: Der erst 2011 fertiggestellte Tempel beeindruckt durch seine ungewöhnliche Bauweise.
Großflächig kommt Edelstahl zum Einsatz – vom Zaun über Dach, Fenster und Türen bis hin zu Säulen sowie Innen- und Außenwänden. Selbst die Buddha-Statue und das zentrale Bildnis sind aus diesem Material gefertigt, was der gesamten Anlage eine moderne, fast futuristische Ausstrahlung verleiht.
Nun führt die Route über kleine Nebenstraßen weiter, vorbei an
unzähligen künstlichen Teichen, die der Garnelenzucht dienen
und die Landschaft prägen. Wenig später erreiche ich die kleine
Stadt Bang Khla, wo ich mein Hotel direkt am Bang Pakong River
beziehe.
Der rund 230 Kilometer lange Fluss entspringt in der
benachbarten Provinz Prachin Buri Province und mündet
schließlich in den Golf von Thailand.
Am Nachmittag geht es zum Wat Phuttha Prommayan. Der Tempel liegt nur wenige Kilometer außerhalb von Bang Khla und ist vor allem für seinen schimmernden silbernen Ordinationssaal, das verspiegelte Interieur und seine idyllische Insellage bekannt. Besucher erreichen die Anlage mit einer kurzen Bootsfahrt über das ruhige Wasser.
Die Überfahrt kostet 20 Baht. Wer anschließend im tempeleigenen Café etwas kauft und dabei das Fährticket vorzeigt, erhält einen Nachlass von 5 Baht. Die weitläufige Tempelanlage darf ausschließlich mit Socken betreten werden. Wer keine dabei hat, kann vor Ort für 20 Baht ein Paar erwerben – und natürlich behalten.
Wenige Kilometer weiter lädt der Khlong Khuean Ganesh International Park zu einem weiteren Stopp ein. Die weitläufige Anlage beherbergt eine beeindruckende, 39 Meter hohe Ganesh-Statue, die mit Bronze verkleidet ist. Da jedoch ausschließlich ausländische Besucher einen Eintrittspreis von 100 Baht zahlen müssen, verzichte ich auf einen Rundgang durch den Park.
Auf der Rückfahrt nach Bang Khla lege ich zum Sonnenuntergang noch einen Halt am Wat Pak Nam Jolo ein. Der Tempel ist vor allem für seine prachtvolle goldfarbene Architektur bekannt, die sich nahezu durch das gesamte Areal zieht und im warmen Abendlicht besonders eindrucksvoll wirkt.
Nach rund einer halben Stunde Fahrt in Richtung Norden erreiche ich den Wat Maneewong, der auf eindrucksvolle Weise buddhistische und hinduistische Mythologie rund um die Nagas (göttliche schlangenartige Wesen) vereint. Tropfsteinartige Formationen sowie Statuen von Buddha und Ganesha schaffen eine beinahe surreale Atmosphäre – als würde man in eine andere Welt hinabsteigen.
Neben den gigantischen Buddha-Statuen und den kunstvoll gestalteten Gebäuden gilt vor allem die sogenannte Nāga-Welt als Hauptattraktion der Anlage. Der Weg dorthin führt zunächst über einen Pfad, der von zahlreichen Buddha-Figuren und kunstvoll gestalteten Nagas gesäumt wird, die sich zu imposanten Torbögen winden.
Beim Betreten der „Unterwelt“ eröffnet sich eine künstliche Höhlenlandschaft, in der sich riesige Schlangenfiguren bis hinauf zur Decke schlängeln. Dazwischen liegen Schätze und goldene Gegenstände, die die mythischen Wesen der Legende nach bewachen. Die Höhle ist in verschiedene Bereiche unterteilt, die jeweils unterschiedlichen Gruppen von Nagas gewidmet sind und sich durch ihre Farben voneinander unterscheiden. Im Zentrum erhebt sich eine große Buddha-Statue, die symbolisch von den Schlangen beschützt wird.
Nach einer weiteren kurzen Fahrt in Richtung Norden erreiche ich den Khun Dan Prakan Chon Dam. Der imposante Staudamm gilt als der weltweit größte Walzbeton-Staudamm und dient sowohl dem Hochwasserschutz als auch der Bewässerung der umliegenden Felder. Besonders an Wochenenden zieht es viele Einheimische hierher, um zu picknicken, im Wasser zu baden oder einfach die Aussicht zu genießen. Zudem ist der aus dem Wasser entstandene Fluss ein beliebter Ausgangspunkt für Rafting-Touren.
Etwa neun Kilometer nördlich von Prachin Buri befindet sich an der Kreuzung von Noen Hom ein Schrein zu Ehren von König Naresuan. In einem kleinen Häuschen am Ende einer aufsteigenden Treppe steht eine Statue des Königs, die an seinen Aufenthalt in Prachin Buri auf dem Weg von Ayutthaya (damals Hauptstadt von Siam) nach Kambodscha im Jahr 1589 erinnert. Bis heute kommen die Einwohner von Prachin Buri und Soldaten aus den umliegenden Kasernen hierher, um ihm ihre Ehrerbietung zu erweisen. Als Dank für erfüllte Gebete, Schutz und Glück stellen viele Besucher Hahnenstatuen am Schrein auf. Der Hintergrund dafür liegt in einer bekannten Legende: König Naresuan besaß einen Kampfhahn, der einst den Hahn des birmanischen Kronprinzen besiegte – ein Sieg, der als gutes Omen für den späteren Triumph des Königs galt. Der Hahn symbolisiert deshalb Mut und Kampfgeist und steht in der thailändischen Kultur zugleich auch für Wohlstand und Reichtum.
Unweit des Schreins befindet sich außerdem die Einfahrt zum „Khao Ito Forest Park“. Ausländer zahlen hier mit 100 Baht den fünffachen Eintrittspreis, erhalten dafür jedoch freie Durchfahrt zu einem See, zwei Aussichtspunkten sowie einem kleinen Wasserfall mit Badebecken.
Anschließend führt mich der Weg weiter in die Stadt Prachin Buri, wo ich mein Hotel am Stadtrand beziehe. Am Nachmittag besuche ich noch das „Abhaibhubejhr Thai Herbal Medicine Museum“. Das markante Gebäude wurde 1909 von Chaophraya Abhaibhubejhr (Chum Abhaiwong) im europäischen Barockstil als Empfangspalast für König Rama V. errichtet, falls dieser die Region Prachin Buri besuchen sollte. Später ging das Gebäude in den Besitz des Gesundheitsministeriums über und wurde zunächst als Prachinburi-Krankenhaus genutzt, bevor es später in Abhaibhubejhr-Krankenhaus umbenannt wurde.
Ursprünglich diente das Abhaibhubejhr-Gebäude als Verwaltungsgebäude des Krankenhauses. Im Erdgeschoss befanden sich Untersuchungsräume, eine Apotheke sowie ein Operationssaal. Seit 1994 beherbergt das Gebäude das „Museum für thailändische Kräutermedizin“. In insgesamt 13 Sälen werden heute Informationen zur traditionellen thailändischen Medizin, historische Artefakte sowie eine Apotheke präsentiert. Schade ist lediglich, dass die meisten Beschriftungen ausschließlich in thailändischer Sprache verfasst sind.
Die Strecke bis zur nächsten Provinzhauptstadt führt mich leider an der Autobahn entlang, die zu großen Teilen auch noch eine Baustelle ist.
Unterwegs lege ich noch einen Halt am Wat Morakot ein. Im Hauptgebäude soll sich ein Fußabdruck Buddhas befinden, doch leider war der Tempel verschlossen und daher nicht zugänglich. Dennoch lohnt sich der Besuch der schönen Anlage: Ein kleiner Spaziergang führt vorbei an mehreren Buddhafiguren, kleinen Schreinen und ruhigen Gartenbereichen. Direkt daneben befinden sich zudem ein heiliger See sowie Ausgrabungsstätten historischer Anlagen.
Am frühen Nachmittag komme ich dann im Hotel an und mache mir einen ruhigen Nachmittag.
Bevor es wieder in die Hauptstadt zurückgeht, besuche ich noch den bekannten Tempel Wat Saman Rattanaram, Über die Provinzgrenzen hinaus bekannt ist die Anlage für seine gigantische pinkfarbene Ganesha-Statue mit einer Höhe von 16 Metern und einer Länge von 24 Metern. In der einen Hand hält Ganesha einen abgebrochenen Stoßzahn, in der anderen eine Lotusblume. Das Tempelareal ist sehr weitläufig und bietet noch weitere Gottheiten, Statuen, Tiere und Schreine für Hinduisten und Buddhisten. Restaurants, Cafes und Einkaufshallen runden das Erlebnis ab.
Anschließend geht es in einer rund zweistündigen Fahrt zurück nach Bangkok.