Auf dieser Reise geht es für Gerald und seine Eltern auf der achttägigen Flusskreuzfahrt „Stilvolles Inselhopping“mit der MS Katharina von Bora von Nicko Cruises von Stralsund bis nach Potsdam.
In den kommenden Tagen erwarten uns hoffentlich viele schöne Landschaften, interessante Orte und jede Menge neue Eindrücke. Natürlich werde ich alle auch diesmal wieder jeden Tag mit einem kleinen Reisebericht und passenden Bildern an unserer Reise teilhaben lassen.
Also: Leinen los und viel Spaß beim Mitreisen!
Heute ist unsere Reise gestartet. Vor uns liegt eine Flusskreuzfahrt, die uns von Stralsund bis nach Potsdam führen wird. Da wir die eigentliche Reise entspannt beginnen möchten und sicherheitshalber nicht erst am Tag der Einschiffung anreisen wollten, haben wir beschlossen, bereits einen Tag vorher in Richtung Stralsund zu starten. Unser erster Etappenort war deshalb Greifswald.
Eigentlich wollten wir um 9:30 Uhr in Nürnberg mit dem ICE über Berlin nach Greifswald fahren. Doch daraus wurde zunächst einmal nichts: Unser ICE fiel kurzfristig aus. So standen wir fast anderthalb Stunden am Nürnberger Hauptbahnhof am Gleis und warteten auf eine Alternative. Dazu regnete es leicht und die Temperaturen waren inzwischen deutlich kühler geworden – für einen Reisebeginn nicht gerade die angenehmsten Bedingungen.
Schließlich kam ein anderer ICE, mit dem wir bis Berlin fahren konnten. Dort mussten wir auf zwei Regionalexpress-Züge umsteigen, unter anderem in Angermünde. Mit rund zwei Stunden Verspätung erreichten wir schließlich gegen 17:30 Uhr Greifswald.
Vom Bahnhof ging es direkt zu unserem Hotel, wo wir eincheckten. Das Hotel liegt ausgesprochen zentral, direkt am Greifswalder Dom und damit mitten in der Fußgängerzone. Nachdem wir unser Gepäck untergebracht hatten, machten wir uns zu Fuß auf den Weg durch die Innenstadt in Richtung Marktplatz. Greifswalds historischer Stadtkern wird vor allem durch die Backsteingotik geprägt, die für die Region Vorpommern typisch ist und auch beim imposanten Dom St. Nikolai besonders deutlich ins Auge fällt.
Am Marktplatz kehrten wir schließlich in eine Brauerei-Gaststätte ein und ließen den langen Reisetag bei einem gemütlichen Abendessen ausklingen. Anschließend ging es durch die inzwischen ruhigere Innenstadt zurück zu unserem Hotel. Damit war der erste, wenn auch etwas holprige Reisetag geschafft – und morgen kann unsere eigentliche Reise dann hoffentlich ohne weitere Bahnprobleme beginnen.
Nach dem Frühstück machten wir uns heute noch einmal zu Fuß auf den Weg durch die Greifswalder Innenstadt. Wir haben kurz den Dom besucht und sind dann über den Marktplatz zum Pommerschen Landesmuseum gelaufen – dort stand zunächst Caspar David Friedrich im Mittelpunkt.
Wir besuchten die erst im Dezember 2025 eröffnete „Galerie der Romantik – Caspar David Friedrich sehen“, die dauerhaft dem berühmten Sohn der Stadt gewidmet ist. Das Museum selbst ist schon wegen seiner Architektur und seiner großzügigen Räumlichkeiten beeindruckend. Die Galerie wurde in einem aufwendig sanierten historischen Gebäudekomplex eingerichtet und verbindet historische Architektur mit moderner Ausstellungsgestaltung.
Die Ausstellung ist ausgesprochen abwechslungsreich und arbeitet viel mit multimedialen Elementen und besonderen Inszenierungen. Gleich zu Beginn stimmt beispielsweise eine multimediale Installation in einer eigens gestalteten „Kapelle“ auf Friedrichs poetische Bildwelt ein. Anschließend wird nicht nur anhand der Originalwerke gezeigt, wie Friedrich seine Landschaften komponierte, sondern auch, wie sich seine besondere Sicht auf Natur, Licht und Raum entwickelte. Gerade seine meisterhaften Licht- und Schattenwirkungen sowie die für ihn typische Verbindung von real beobachteten Landschaften und idealisierter Natur werden dadurch sehr anschaulich.
Besonders interessant war, dass nicht ausschließlich Werke von Caspar David Friedrich zu sehen sind. Auch Künstler aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis sowie Zeitgenossen werden vorgestellt. So lässt sich Friedrichs Werk in den größeren Zusammenhang der deutschen Romantik einordnen. Gleichzeitig wird immer wieder der Bezug zu seiner Heimatregion hergestellt: Friedrich wurde 1774 in Greifswald geboren und ließ sich zeitlebens von den Landschaften Pommerns und Mecklenburg-Vorpommerns inspirieren.
Anschließend hieß es, Greifswald zu verlassen und unser eigentliches Reiseziel anzusteuern: Stralsund. Mit dem Regionalexpress dauerte die Fahrt gerade einmal etwa 25 Minuten. Vom Stralsunder Bahnhof fuhren wir noch drei Stationen mit dem Bus bis zum Hafen. Dort lag bereits das Schiff, mit dem wir in den kommenden Tagen von Stralsund bis nach Potsdam reisen werden: die „Katharina von Bora“ von Nicko Cruises.
Unsere Check-in-Zeit begann um 15 Uhr, und wir waren nur wenige Minuten vorher am Hafen – zeitlich passte es also perfekt. Zunächst wurden wir im Salon begrüßt und bekamen bei Kaffee und Kuchen Informationen zum Schiff und zur bevorstehenden Reise. Danach konnten wir bereits unsere Kabinen beziehen.
Natürlich musste ich mir anschließend erst einmal das Schiff etwas genauer ansehen. Die „Katharina von Bora“ ist mit einer Kapazität von rund 80 Passagieren ein vergleichsweise kleines und zudem schon etwas älteres Flusskreuzfahrtschiff. Das merkt man teilweise an der Ausstattung und der Dekoration, die nicht mehr ganz zeitgemäß wirken. Insgesamt macht das Schiff jedoch einen gepflegten Eindruck und befindet sich in einem guten Zustand. Bei unserer Reise sind 72 Passagiere an Bord. Das Schiff ist damit praktisch ausgebucht; die Differenz zur maximalen Kapazität erklärt sich dadurch, dass einige Kabinen beziehungsweise Zweierzimmer nur von einer Person belegt sind.
Um 18 Uhr stand bereits das erste Abendessen auf dem Programm. Die frühe Essenszeit kam uns heute allerdings ganz gelegen, denn mittags hatten wir nur einen kleinen Imbiss zu uns genommen und entsprechend wieder Hunger. Sowohl mittags als auch abends werden die Speisen am Tisch serviert. Wir sitzen direkt am Fenster und haben damit einen schönen Platz, während neben uns ein Ehepaar aus Nordfriesland Platz genommen hat.
Nach dem Abendessen machten wir gegen 20 Uhr noch einen kleinen Spaziergang entlang der Hafenpromenade. Unser Schiff liegt ausgesprochen prominent ganz vorne im Hafen, direkt gegenüber dem Museumsschiff „Gorch Fock“. Bei dem abendlichen Licht war die Hafenszenerie besonders schön anzusehen.
Zum Abschluss setzten wir uns noch eine Weile auf das Oberdeck der „Katharina von Bora“ und beobachteten den Sonnenuntergang über dem Jachthafen. Damit konnten wir den ersten Abend an Bord ganz entspannt ausklingen lassen – und morgen beginnt dann unsere eigentliche Flusskreuzfahrt.
Heute begann unser Tag schon relativ früh: Um 9 Uhr wurden wir direkt am Anleger in Stralsund von zwei Bussen abgeholt. Rund 60 Passagiere unseres Schiffes machten sich gemeinsam auf den Weg zu einem abwechslungsreichen Ausflug, der uns zunächst über die imposante Rügenbrücke und anschließend einmal quer über die Insel Rügen führte.
Rügen ist mit knapp 1000 Quadratkilometern die größte deutsche Insel und entsprechend lang war auch unsere Fahrt über die Insel. Unser Ziel war Schaprode an der Westküste Rügens. Von dort setzten wir mit der Fähre nach Hiddensee über – jener schmalen, etwa 17 Kilometer langen Insel, die unmittelbar westlich von Rügen in der Ostsee liegt und wegen ihrer weitgehend autofreien und ursprünglichen Landschaft auch als besonders ruhiger Gegenpol zum touristisch stärker erschlossenen Rügen gilt.
Am Fähranleger auf Hiddensee warteten bereits drei Pferdekutschen auf uns. Mit ihnen ging es einmal quer über die Insel. Die rund einstündige Kutschfahrt war eine sehr schöne Möglichkeit, Hiddensee kennenzulernen, denn Autos gibt es hier praktisch nicht – entsprechend ruhig und entschleunigt ist die Atmosphäre.
Unser Ziel war Kloster, der kulturelle Mittelpunkt der Insel. Dort legten wir einen Zwischenstopp ein und besuchten zunächst die kleine, weiß getünchte Inselkirche, deren Ursprünge bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen. Direkt neben der Kirche befindet sich der kleine Inselfriedhof, auf dem zahlreiche bekannte Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Dazu gehört auch der Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann.
Hauptmann hatte eine ganz besondere Beziehung zu Hiddensee. Er besuchte die Insel erstmals bereits 1885 und verbrachte später viele Sommer hier. 1930 kaufte er das Haus „Seedorn“ in Kloster, das er bis 1943 als Sommersitz nutzte. Heute ist es als Gerhart-Hauptmann-Haus eine Gedenkstätte und Literaturmuseum. Die Räume sind weitgehend so erhalten, wie Hauptmann sie bei seinem letzten Inselaufenthalt verlassen hatte.
Nach unserem Besuch der Kirche und des Grabes ging es wieder mit den Kutschen weiter. Dabei kamen wir auch am ehemaligen Wohnhaus Hauptmanns vorbei. Danach führte die Fahrt in einem großen Bogen durch die reizvolle Landschaft zurück zum Fähranleger. Hiddensee hat dabei tatsächlich etwas ganz Eigenes: kaum Autoverkehr, viel Natur, kleine Wege und eine Landschaft, die deutlich ursprünglicher wirkt als viele andere Ostseebäder.
Anschließend bestiegen wir wieder die Fähre und fuhren in gut 30 Minuten zurück nach Schaprode auf Rügen. Dort warteten bereits unsere beiden Busse, und ohne längeren Aufenthalt ging es weiter zum nächsten Höhepunkt des Tages: dem Nationalpark Jasmund im Nordosten Rügens.
Mit den Bussen konnten wir direkt bis zum Besucherzentrum des Nationalparks fahren. Von dort ging es auf dem relativ neuen Skywalk Königsstuhl hinaus über die berühmten Kreidefelsen. Die Aussichtsplattform ermöglicht einen spektakulären Blick auf die Kreideküste und die Ostsee. Die weißen Kreidefelsen gehören zu den bekanntesten Landschaftsmotiven Deutschlands und wurden schon von zahlreichen Künstlern verewigt – besonders berühmt ist natürlich Caspar David Friedrichs Gemälde „Kreidefelsen auf Rügen“.
Nach dem Spaziergang über den Skywalk gönnten wir uns erst einmal eine gemütliche Kaffeepause. Dazu gab es Thüringer Mohnkuchen. Anschließend schauten wir uns noch den etwa 20-minütigen Film im Besucherzentrum des Nationalparks an, der noch einmal anschaulich über die Landschaft, die Entstehung der Kreideküste und die besondere Natur des Nationalparks informiert.
Danach hieß es wieder einsteigen und zurück Richtung Süden. Gegen 17:45 Uhr erreichten wir Lauterbach auf Rügen. Dort lag unser Schiff bereits vor Anker und wartete auf uns. Nach diesem ausgesprochen abwechslungsreichen Ausflug konnten wir wieder an Bord gehen, in Ruhe zu Abend essen und anschließend noch einen kleinen Spaziergang am Hafen von Lauterbach machen.
Heute war insgesamt ein eher ruhiger und entspannter Reisetag – dafür haben wir viele Stunden auf dem Wasser verbracht und konnten die Landschaft rund um den Greifswalder Bodden ganz in Ruhe genießen.
Am Vormittag lagen wir noch in Lauterbach auf Rügen. Der kleine Ort ist vor allem durch seinen Hafen und seine Lage am Greifswalder Bodden geprägt und hat ansonsten nicht allzu viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Ich bin deshalb einmal gemütlich die Bucht entlangspaziert, am Yachthafen vorbei und konnte dabei auch den „Rasenden Roland“ beobachten. Dabei handelt es sich um die historische Rügensche Bäderbahn, eine Schmalspurbahn, die noch heute mit Dampflokomotiven unterwegs ist und verschiedene Orte auf Rügen miteinander verbindet.
Mein Spaziergang führte mich anschließend noch zu einem Gebäude, das mir wegen seiner außergewöhnlichen Fassade sofort aufgefallen ist: dem Badehaus Goor. Tatsächlich steckt dahinter eine ausgesprochen interessante Geschichte. Das heutige Hotel geht auf ein Badehaus zurück, das Fürst Wilhelm Malte I. zu Putbus Anfang des 19. Jahrhunderts für sich und den Hochadel errichten ließ. Das Gebäude wurde 1818 fertiggestellt und erhielt später seine heute so markante Kolonnade mit 18 weißen Säulen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörte das Badehaus zu den vornehmsten Seebädern Europas; zu den Gästen zählten unter anderem Alexander von Humboldt und Otto von Bismarck. 2002 wurde es umfassend saniert und schließlich 2007 als Hotel wiedereröffnet.
Anschließend ging es wieder zurück zum Schiff, das gegen 12:45 Uhr ablegte. Während wir zu Mittag aßen, fuhren wir quer über den Greifswalder Bodden in Richtung Wieck, einem Ortsteil von Greifswald. Dort waren wir bereits vor einigen Tagen, allerdings diesmal nicht in der Nähe der Greifswalder Altstadt, sondern direkt am Eingang des Wiecker Hafens. Von hier aus konnte man sehr schön am Hafenbecken entlangspazieren und die zahlreichen Boote beobachten.
Da ich noch ein paar Besorgungen zu erledigen hatte, fuhr ich mit dem Bus kurz in die Stadt und anschließend wieder zurück nach Wieck. Auf dem Rückweg wollte ich natürlich auch wieder über die berühmte Wiecker Brücke gehen – allerdings hatte ich dabei genau den richtigen beziehungsweise falschen Zeitpunkt erwischt: Kurz bevor ich die Brücke erreichte, wurde sie hochgeklappt und ich musste erst einmal warten, bis die Schiffe den Ryck passieren konnten.
Die Wiecker Zugbrücke ist nämlich etwas ganz Besonderes. Die hölzerne Doppelklappbrücke wurde bereits 1887 nach holländischem Vorbild errichtet und ist heute ein technisches Denkmal und gleichzeitig eines der Wahrzeichen von Greifswald-Wieck. Sie überspannt den Ryck, der wenige hundert Meter weiter in die Dänische Wiek und damit in den Greifswalder Bodden mündet.
Besonders faszinierend ist, dass die beiden jeweils 13,30 Meter langen Brückenklappen noch immer von Hand gezogen werden. Also keine moderne Hydraulik oder elektrische Hebevorrichtung – die historische Mechanik wird tatsächlich weiterhin per Hand bedient. Die gesamte Brücke ist rund 55 Meter lang, die Durchfahrtsbreite für Schiffe beträgt knapp elf Meter.
Nachdem die Boote durchgefahren waren, wurde die Brücke wieder heruntergelassen und ich konnte meinen Rückweg fortsetzen. Anschließend ging es noch einmal an der Mole entlang direkt vor unserem Schiff. Es war schön, dort einfach ein wenig am Wasser entlangzulaufen und das maritime Treiben zu beobachten.
Zum Abendessen legten wir dann erneut ab. Das Schiff nahm Kurs auf Wolgast, das wir gegen 21:00 Uhr erreichten. Damit ging ein Tag zu Ende, an dem wir zwar vergleichsweise wenig besichtigt haben, dafür aber umso mehr gefahren sind.
Heute Morgen lag unser Schiff ja noch immer in Wolgast, sodass wir die Gelegenheit genutzt haben, die Stadt bei einem Spaziergang zu erkunden. Vom Schiff aus ging es zunächst ein Stück am Hafen entlang. Dort lag neben uns ein weiteres Flusskreuzfahrtschiff, die MS Victor Hugo der französischen Reederei CroisiEurope. Die Victor Hugo fährt auf verschiedenen europäischen Flüssen und auch auf der Ostsee-Oder-Route.
Unser erster Anlaufpunkt in Wolgast war das Geburtshaus von Philipp Otto Runge (1777–1810). Runge gilt neben Caspar David Friedrich als einer der bedeutendsten Vertreter der deutschen Romantik und war nicht nur Maler, sondern beschäftigte sich auch intensiv mit Farbenlehre und Literatur. In seinem Geburtshaus befindet sich heute ein Museum.
Besonders interessant ist, dass Runge pommersche Märchen aufschrieb und damit auch eine Geschichte überlieferte, die später in die berühmte Sammlung der Brüder Grimm aufgenommen wurde: „Vom Fischer un sin Fru“ – „Vom Fischer und seiner Frau“. Darin fängt ein armer Fischer einen verwunschenen Butt, der ihm verspricht, seine Wünsche zu erfüllen. Seine Frau verlangt daraufhin immer mehr – vom einfachen Häuschen bis hin zu immer größerer Macht –, bis ihre maßlose Gier schließlich dazu führt, dass am Ende wieder alles so ist wie zuvor.
Anschließend schlenderten wir durch die historische Altstadt. Viele der alten Fachwerk- und Bürgerhäuser sind inzwischen schön restauriert und vermitteln einen guten Eindruck davon, wie bedeutend Wolgast einst als Handels- und Hafenstadt war. Unser Weg führte schließlich zum Marktplatz mit dem historischen Rathaus. Das Rathaus ist ein markanter Backsteinbau mit einer barocken Fassade; seine heutige Gestalt entstand nach dem großen Stadtbrand von 1713 und den anschließenden Wiederaufbauarbeiten.
Vor dem Rathaus steht ein auffälliger historischer Brunnen mit zwölf Bildtafeln, die verschiedene Stationen aus der Geschichte Wolgasts darstellen. Daneben befindet sich der sogenannte Ständebaum, und unmittelbar am Marktplatz erhebt sich die imposante St.-Petri-Kirche.
Die Kirche haben wir natürlich ebenfalls besichtigt. Die ursprünglich gotische Backsteinbasilika wurde etwa bis 1350 errichtet und im Laufe ihrer Geschichte mehrfach durch Brände, Kriegs- und Unwetterschäden verändert und wieder aufgebaut. Dadurch vereint sie heute gotische und barocke Elemente.
Besonders beeindruckend war die herzogliche Gruft, die tatsächlich direkt unter dem Bereich des Chores beziehungsweise Altars liegt. Dort befinden sich mehrere Zinnsarkophage der pommerschen Herzogsfamilie. Die zugängliche Gruft wurde ab 1560 angelegt und später erweitert; insgesamt sind dort sieben Angehörige der letzten drei Generationen der Herzöge von Pommern-Wolgast bestattet. 1688 wurde die Gruft sogar von Grabräubern gewaltsam geöffnet und geplündert, bevor die Sarkophage in späterer Zeit restauriert wurden.
Außerdem gibt es innerhalb der Kirche die Greifenkapelle, die heute ebenfalls als herzogliche Grablege dient. Dort sind unter anderem Herzog Philipp I. von Pommern-Wolgast und seine Frau Maria von Sachsen sowie Ernst Ludwig und Philipp Julius bestattet. Philipp Julius war übrigens der letzte Herzog aus dem Haus Pommern-Wolgast – mit seinem Tod 1625 erlosch diese Linie des pommerschen Greifengeschlechts.
Nach unserem Rundgang über den Marktplatz ging es wieder zurück zum Schiff. Um 12:30 Uhr legten wir in Wolgast ab und machten uns auf den Weg Richtung Polen. Dabei wurde es auch nautisch interessant: Schon in Wolgast kam ein polnischer Lotse an Bord, der das Schiff auf dem weiteren Weg nach Stettin begleiten sollte.
Auf dem Weg Richtung Stettin fuhren wir über die weitläufigen Wasserflächen des Stettiner Haffs – genauer gesagt über die Gewässer des Peenestroms und anschließend des Kleinen Haffs, das zum Stettiner Haff gehört. Das ist ein riesiges, nur wenige Meter tiefes Küstengewässer, das über die Oder mit der Ostsee verbunden ist und sich durch seine enorme Breite fast schon wie ein Binnenmeer anfühlt. Der Wind frischte etwas auf, und damit wurde die Fahrt über die offene Wasserfläche durchaus spürbar.
Wir hatten heute außerdem die Gelegenheit, einmal ganz vorne ins Steuerhaus zu gehen. Dort konnten wir dem Kapitän und dem polnischen Lotsen über die Schulter schauen und uns erklären lassen, wie die Navigation auf diesen teilweise sehr breiten, aber auch relativ flachen Wasserwegen funktioniert. Gerade der Wechsel zwischen deutscher und polnischer Wasserstraße und die Zusammenarbeit zwischen Schiffsbesatzung und Lotse waren dabei sehr interessant.
Im Laufe des Nachmittags zog die Landschaft langsam an uns vorbei, bevor wir schließlich gegen 20 Uhr Stettin, auf Polnisch Szczecin, erreichten. Unser Schiff liegt hier nun direkt vor den Hakenterrassen, dem wohl bekanntesten Uferensemble der Stadt. Von unserem Liegeplatz aus haben wir einen schönen Blick auf die beleuchtete Stadt und das Wasser.
Auf der gegenüberliegenden Seite findet gerade ein großes, buntes Volksfest statt. Das kommt mir erstaunlich bekannt vor, denn ich habe diese Kreuzfahrt vor einigen Jahren schon einmal gemacht und kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass damals bei unserer Ankunft in Stettin ebenfalls genau gegenüber ein großes Fest stattfand. Offenbar hat die Stadt hier regelmäßig größere Veranstaltungen am Wasser – diesmal scheint jedenfalls wieder ordentlich etwas los zu sein: Musik, Buden, Lichter und jede Menge Menschen sorgen für eine ziemlich lebhafte Atmosphäre.
Die Nacht in Stettin war leider nicht ganz so ruhig, wie man es sich auf einem Flusskreuzfahrtschiff wünschen würde. Unser Schiff lag ja noch über Nacht an seinem Liegeplatz, und auf dem gegenüberliegenden Ufer, wo gestern Abend bereits das Volksfest stattfand, wurde kräftig weitergefeiert. Leider ging die Veranstaltung bis zwei Uhr nachts. An Schlaf war deshalb nur mit Ohropax zu denken – ein etwas unerwartetes und durchaus unangenehmes „Nachtprogramm“ in Stettin.
Heute am Vormittag machten wir uns dann auf den Weg in die Innenstadt. Wir nahmen ein Uber-Taxi und ließen uns zum Heumarkt, dem heutigen Rynek Sienny, bringen. Dort findet man noch einige sehr schön restaurierte historische Häuserfronten und bekommt einen Eindruck davon, wie die Altstadt früher einmal ausgesehen haben muss. Allerdings wird das Stadtbild von Stettin bis heute stark durch die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs geprägt. Große Teile der Stadt wurden 1944/45 durch Bombenangriffe schwer zerstört. Einige bedeutende historische Gebäude und Straßenzüge wurden anschließend rekonstruiert, andere Bereiche wurden jedoch in der Nachkriegszeit mit modernen Zweck- und Plattenbauten bebaut. Dadurch wirkt das Stadtzentrum an vielen Stellen leider ziemlich uneinheitlich und teilweise auch wenig ansehnlich.
Am Heumarkt steht auch das Alte Rathaus, in dem sich heute das Museum der Stadtgeschichte von Stettin befindet. Das Gebäude selbst ist bereits ein interessantes Stück Stadtgeschichte: Seine Ursprünge reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück, und seine heutige gotische Gestalt entstand vor allem im 14. und 15. Jahrhundert. Besonders schön sind die reich gegliederte Fassade und die beeindruckenden Giebel.
Von dort liefen wir weiter und stiegen die Stufen hinauf zum Schloss der Pommerschen Herzöge. Das imposante Renaissance-Schloss war über Jahrhunderte die Residenz der Greifen, der pommerschen Herzogsdynastie, und wurde im Zweiten Weltkrieg ebenfalls nahezu vollständig zerstört. Nach dem Krieg wurde es aufwendig rekonstruiert. Heute finden weiterhin Restaurierungs- und Modernisierungsarbeiten statt, wobei bereits große Teile wieder in sehr schönem Zustand sind.
Wir gingen anschließend durch die Garten- und Terrassenanlagen rund um das Schloss. Dort entdeckten wir auch mehrere interessante Bronzeskulpturen. Es handelt sich unter anderem um Werke des deutschen Bildhauers Richard Heß (1937–2017), eines bedeutenden Vertreters der figurativen Bildhauerei der Nachkriegszeit.
Anschließend ging es weiter zur Kirche St. Peter und Paul, eine der ältesten Kirchen Stettins. Wir schauten uns die Kirche auch von innen an.
Schräg gegenüber wartete anschließend ein völlig anderer architektonischer Höhepunkt auf uns: die Stettiner Philharmonie. Schon die außergewöhnliche Fassade ist ein echter Blickfang. Das Gebäude wurde von dem spanischen Architekturbüro Barozzi Veiga aus Barcelona entworfen und 2014 fertiggestellt. Die Architekten ließen sich unter anderem von den steilen Dachformen der historischen Stadt, den Türmen und der vertikalen Architektur Stettins inspirieren. Durch die weiße, teilweise transluzente Glasfassade wirkt das Gebäude wie ein riesiger, leichter und fast unwirklicher Körper. In Stettin wird es deshalb gerne mit einem Eispalast verglichen.
Wir konnten zumindest in die große Eingangshalle hineingehen. Dort befinden sich unter anderem das Café, die Garderobe und der Kartenvorverkauf. Die riesige, helle Vorhalle mit ihrem beeindruckenden Treppenhaus ist allein schon einen Besuch wert. Besonders die große zentrale Treppe erinnerte uns tatsächlich ein wenig an die spektakulären Innenräume des Guggenheim Museums in New York.
Von der Philharmonie liefen wir anschließend weiter zu den Hakenterrassen, den berühmten repräsentativen Terrassenanlagen hoch über der Oder. Über die großen Treppenanlagen ging es wieder hinunter in Richtung Fluss und schließlich zurück zu unserem Schiff. Gegen 11:30 Uhr waren wir wieder an Bord.
Bereits gegen 12:15 Uhr legte die Katharina von Bora ab und verabschiedete sich damit endgültig von Stettin. Vor uns lag nun eine besonders schöne Strecke unserer Reise. Das Schiff fuhr zunächst durch die Wasserwege entlang der Oder und anschließend weiter durch die Kanäle in Richtung Niederfinow.
Diese Landschaft gefällt mir persönlich ausgesprochen gut: breite, ruhige Wasserflächen, Kanäle, die sich durch die Landschaft ziehen, und dazwischen die alte Oder mit ihren weiten, flachen und fast endlos wirkenden grünen Landschaften. Nach den Städten und Sehenswürdigkeiten der vergangenen Tage war diese Fahrt ein wunderbarer Kontrast. Man kann einfach aus dem Fenster schauen und die Landschaft an sich vorbeiziehen lassen – sehr ruhig, weit und entschleunigend.
Unser heutiges Ziel war Niederfinow in Brandenburg, wo wir nun über Nacht liegen. Hier wartet morgen früh noch ein ganz besonderer Höhepunkt unserer Reise auf uns: das berühmte Schiffshebewerk Niederfinow.
Das historische Schiffshebewerk wurde 1934 in Betrieb genommen und überwindet einen Höhenunterschied von rund 36 Metern zwischen dem Oder-Havel-Kanal und der tiefer gelegenen Oderhaltung. Es war lange Zeit das größte Schiffshebewerk Deutschlands und gilt heute als bedeutendes technisches Denkmal. Seit Oktober 2022 ist daneben das neue, wesentlich größere Schiffshebewerk in Betrieb. Der neue Hebetrog kann Schiffe bis etwa 110 Meter Länge aufnehmen und hebt sie ebenfalls um 36 Meter.
Morgen werden wir also selbst erleben, wie unser Schiff – beziehungsweise unsere Wasserstraße – diesen gewaltigen Höhenunterschied überwindet. Und darauf sind wir schon sehr gespannt.
Nachtrag zum gestrigen Abend: Bevor es heute mit dem eigentlichen Tagesprogramm weiterging, noch ein kleiner Nachtrag zum gestrigen Abend: Um 21:15 Uhr gab es im Salon eine Show, die von der Crew gestaltet wurde. Der Crew-Shanty-Chor hatte zu einem Liederabend eingeladen – und tatsächlich standen dabei Crewmitglieder aus den unterschiedlichsten Ländern gemeinsam auf der Bühne und sangen miteinander.
Unsere Crew ist international besetzt: Unter anderem kommen die Teammitglieder aus der Türkei, Ägypten, Indonesien und Kenia. Umso schöner war es zu sehen und vor allem zu hören, wie diese internationale Crew gemeinsam Shantys und andere Lieder präsentierte. Es war eine ausgesprochen sympathische und sehr schöne Show, bei der man auch einmal einen ganz anderen Eindruck von den Menschen bekam, die sich während der Reise täglich um die Gäste kümmern.
Heute Morgen lag die Katharina von Bora ja bereits die ganze Nacht direkt vor dem Schiffshebewerk Niederfinow. Kurz nach acht Uhr war es dann so weit: Wir fuhren durch das neue Schiffshebewerk Niederfinow.
Für mich war das besonders interessant, denn ich kannte das Schiffshebewerk bereits von einer früheren Reise mit der MS Sanssouci, mit der ich vor einigen Jahren noch durch das alte Hebewerk gefahren bin. Heute ging es dagegen durch das neue, erst 2022 in Betrieb genommene Schiffshebewerk.
Das Bauwerk ist wirklich beeindruckend. Schon wenn man davor liegt, bekommt man einen Eindruck von den gewaltigen Dimensionen. Und dann geht es plötzlich erstaunlich schnell: Das gesamte Schiff wird innerhalb weniger Minuten auf eine deutlich höhere Ebene gehoben.
Aber warum braucht man hier überhaupt ein Schiffshebewerk und fährt nicht einfach durch eine Schleuse? Der Grund liegt in der Höhe des Geländes. Der Oder-Havel-Kanal muss an dieser Stelle einen Höhenunterschied von rund 36 Metern überwinden. Eine normale Schleuse müsste diesen Höhenunterschied mit mehreren hintereinanderliegenden Schleusenkammern bewältigen. Das würde wesentlich mehr Zeit und Platz benötigen.
Ein Schiffshebewerk funktioniert dagegen im Prinzip wie ein riesiger Aufzug für Schiffe: Das Schiff fährt in eine große, mit Wasser gefüllte Wanne, die sogenannte Trogkammer. Dann wird nicht das Schiff selbst aus dem Wasser gehoben, sondern die komplette Wasserwanne mitsamt dem darin schwimmenden Schiff. Oben angekommen, wird der Trog wieder mit dem Kanal verbunden und das Schiff fährt einfach weiter.
Und genau dieses Erlebnis hatten wir heute Morgen. Für die Passagiere ist die eigentliche Fahrt erstaunlich unspektakulär und gleichzeitig sehr beeindruckend: Man steht an Deck und merkt zunächst kaum, dass sich das gesamte Schiff nach oben bewegt. Erst beim Blick auf die Umgebung wird deutlich, wie schnell wir an Höhe gewinnen.
Das neue Hebewerk ist etwa 133 Meter lang, 46 Meter hoch und rund 27 Meter breit. Der Trog selbst ist so groß, dass auch größere Binnenschiffe darin Platz finden. Der Höhenunterschied, den das Hebewerk überwindet, beträgt etwa 36 Meter. Wenn man bedenkt, dass wir dabei mitsamt dem Schiff und einer riesigen Menge Wasser angehoben werden, sind diese Dimensionen schon beeindruckend.
Nach nur wenigen Minuten waren wir oben angekommen und konnten unsere Fahrt auf dem Oder-Havel-Kanal fortsetzen. Ein wirklich schönes Erlebnis – und für mich auch interessant, den Unterschied zwischen dem alten Hebewerk und der neuen Anlage einmal unmittelbar erleben zu können.
Am frühen Nachmittag erreichten wir dann Eberswalde. Dort wurde ein Ausflug angeboten, der unter anderem zum Kloster Chorin und zu weiteren Sehenswürdigkeiten in der Umgebung führte. Meine Eltern haben an diesem Ausflug teilgenommen, während ich diesmal an Bord geblieben bin.
Eberswalde selbst liegt im Landkreis Barnim und ist eng mit der Geschichte der Wasserstraßen und des Finowkanals verbunden. Die Region war schon früh ein bedeutendes Zentrum der Industrialisierung in Brandenburg. Der Finowkanal, der älteste noch schiffbare künstliche Wasserweg Deutschlands, spielte dabei eine wichtige Rolle und verband die Region mit der Oder und damit auch mit dem überregionalen Wasserverkehr.
Um 16:30 Uhr legten wir wieder ab und setzten unsere Reise fort. Den gesamten Nachmittag und Abend ging es weiter durch die märkische Landschaft und über die Wasserstraßen in Richtung Lehnitz, wo wir schließlich am Abend ankamen.
Auf unserer Weiterfahrt am Nachmittag wurde außerdem noch einmal deutlich, wie eng es auf manchen Abschnitten des Kanals zugeht. Die Brücken sind dort teilweise erstaunlich niedrig, sodass auf dem Sonnendeck besondere Vorsicht geboten war. Die Gäste mussten sich bei der Durchfahrt unbedingt hinsetzen und durften nicht stehen bleiben, weil der Abstand zwischen dem Sonnendeck und den Brücken so gering war, dass eine stehende Person von der Brücke erfasst beziehungsweise umgerissen werden könnte.
Am Abend wurde es dann noch enger: Einige Brücken waren so niedrig, dass das gesamte Sonnendeck geräumt werden musste. Außerdem musste oben alles, was über die Höhe des Decks hinausragte, abgebaut beziehungsweise weggeklappt werden. Erst nachdem wir diese besonders niedrigen Brücken passiert hatten, konnte das Sonnendeck wieder freigegeben und für die Gäste geöffnet werden.
Heute Abend stand dann noch ein besonderer Höhepunkt auf dem Programm: das Gala-Dinner. Kulinarisch hat sich die Küche heute noch einmal richtig ins Zeug gelegt, und das Menü war entsprechend schön zusammengestellt. Nach dem Essen durfte natürlich auch ein Ritual nicht fehlen, das man schon vom berühmten ZDF-Traumschiff kennt: Zum Abschluss wurden Eistorten hereingebracht, begleitet von einer Fanfare.
Anschließend wurde noch einmal das gesamte Küchenteam vorgestellt, das während der Reise jeden Tag dafür sorgt, dass die Passagiere mit Frühstück, Mittag- und Abendessen versorgt werden. Eine schöne Gelegenheit, auch diejenigen einmal zu sehen und zu würdigen, die sonst eher im Hintergrund arbeiten. Der indonesische Chefkoch Rama ging von Tisch zu Tisch und informierte sich, ob auch allen alles geschmeckt hat. Mit meinen wenigen Worten indonesisch konnte ich mich dann auch persönlich bei ihm bedanken.
Nach diesem ereignisreichen Tag liegt die Katharina von Bora nun über Nacht in Lehnitz. Morgen geht unsere Reise weiter in Richtung Potsdam – und damit nähern wir uns langsam dem Ende unserer Fahrt von Stralsund durch den Norden und Osten Deutschlands.
Heute begann der Tag schon früh: Gegen 6 Uhr legten wir von unserem Nachtliegeplatz in Lehnitz ab und machten uns auf den letzten großen Abschnitt unserer Reise nach Potsdam. Zunächst ging es durch die Berliner Gewässer bis nach Berlin-Spandau. Dort legten wir für etwa eine Stunde einen Tankstopp ein und füllten rund 15.000 Liter Diesel, damit das Schiff für seine nächste Reise wieder ausreichend Treibstoff an Bord hat.
Kaum waren wir wieder unterwegs, gab es noch eine kleine ungeplante Verzögerung: Wir hatten tatsächlich einen Seemann an Land vergessen! Das Schiff musste deshalb noch einmal kurz am Ufer beziehungsweise am Rand des Kanals anlegen, um den fehlenden Besatzungsangehörigen aufzunehmen. Danach konnte die Fahrt endgültig weitergehen.
Von Spandau aus führte unser Weg nun auf der Havel immer weiter nach Süden. Die Karte zeigt sehr schön, wie abwechslungsreich diese Strecke ist. Wir passierten zunächst die Gegend um Pichelswerder und Gatow und fuhren vorbei an den ausgedehnten Grün- und Waldgebieten des Grunewalds. Weiter ging es über Kladow und vorbei an der Pfaueninsel. Die kleine, stark bewaldete Insel gehört zu Berlin und ist vor allem für ihre frei lebenden Pfauen und das romantische Schloss Pfaueninsel bekannt. Die gesamte Insel ist Teil der UNESCO-Welterbestätte „Schlösser und Parks von Berlin und Potsdam“.
Auch die Heilandskirche in Sacrow konnten wir aus der Perspektive vom Wasser sehen. Sie liegt unmittelbar an der Havel und gehört ebenfalls zur historischen Kulturlandschaft von Berlin und Potsdam. Anschließend kamen wir in den Bereich des Wannsees und schließlich zur Glienicker Brücke. Sie verbindet Berlin und Potsdam über die Havel und wurde vor allem während des Kalten Krieges berühmt: Hier fanden mehrfach spektakuläre Agenten- und Gefangenenaustausche zwischen Ost und West statt. Die heutige Stahlfachwerkbrücke stammt aus dem Jahr 1907.
Rund um die Glienicker Brücke konnten wir noch weitere beeindruckende historische Anlagen sehen, darunter Schloss Glienicke und den Park Babelsberg mit dem Schloss Babelsberg. Der 124 Hektar große Park gehört seit 1990 zum UNESCO-Welterbe. Vom Wasser aus bietet diese Gegend mit ihren Schlössern, Parks, Villen und bewaldeten Ufern eine besonders schöne Kulisse.
Von dort ging es weiter in Richtung Potsdam. Schließlich fuhren wir unter der Glienicker Brücke hindurch und erreichten die Potsdamer Gewässer. Nach der letzten Etappe nahm unser Schiff seinen Liegeplatz in Potsdam „Am Hinzenberg 1“ ein. Dort liegt das Schiff direkt an einem größeren See, vor einer Eisenbahnbrücke und in der Nähe einer Kleingartenanlage – ein eher ruhiger und idyllischer Platz.
Nachdem das Schiff festgemacht hatte, gab es zunächst Mittagessen. Anschließend machten wir uns zu Fuß auf den Weg in die Potsdamer Innenstadt und zum Alten Markt. Unser erster Blick galt dem Museum Barberini, das wir zunächst von der Wasserseite aus betrachteten. Besonders beeindruckend war dabei die große Bronzeskulptur „Der Jahrhundertschritt“ von Wolfgang Mattheuer. Die 1984 entstandene Arbeit zeigt eine menschliche Figur, deren gegensätzliche Gesten symbolisch für die politischen Extreme und die Zerrissenheit des 20. Jahrhunderts stehen. Die fünf Meter hohe Version steht seit 2016 im Hof des Barberini.
Anschließend gingen wir am rekonstruierten Stadtschloss vorbei zum Alten Markt und betrachteten das Barberini nun auch von der Vorderseite. Leider mussten wir feststellen, dass das Museum ausgerechnet heute geschlossen war. Wir hatten nicht damit gerechnet, denn normalerweise denkt man bei Museumsschließtagen eher an den Montag. Das Barberini ist hier tatsächlich eine Ausnahme.
Danach gingen wir in den Innenhof des ehemaligen Potsdamer Stadtschlosses, in dem heute der Brandenburgische Landtag seinen Sitz hat. Besonders spannend ist hier die Verbindung von Geschichte und moderner Architektur: Die Fassade des neuen Landtagsgebäudes orientiert sich eng am historischen Stadtschloss, während der Innenbereich modern gestaltet ist. Das ursprüngliche Stadtschloss war im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und später abgetragen worden; der Neubau des Landtags entstand schließlich auf seinem historischen Grundriss.
Vom Stadtschloss ging es weiter in die Nikolaikirche, die mit ihrer gewaltigen Kuppel schon von weitem das Stadtbild von Potsdam prägt. Die heutige Kirche entstand nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel. Die Kuppel wurde 1850 fertiggestellt. Mit ihrer Gesamthöhe von 77 Metern und der imposanten Kuppel ist sie sowohl von außen als auch im Inneren wirklich beeindruckend.
Danach liefen wir noch über den Platz der Einheit, wo uns schließlich eine Freundin, die in Berlin lebt und arbeitet, mit ihrem Auto abholte. Das war natürlich besonders angenehm, denn so mussten wir den Weg zum Schiff nicht wieder zu Fuß zurücklegen. Gemeinsam fuhren wir zu unserem Liegeplatz, und unsere Freundin durfte anschließend auch als Besucherin mit an Bord.
Den Nachmittag verbrachten wir gemeinsam auf dem Sonnendeck. Bei strahlend blauem Himmel und viel Sonnenschein saßen wir zusammen, unterhielten uns und genossen die entspannte Atmosphäre an Bord.
Nach dem Abendessen gingen wir noch einmal hinauf aufs Sonnendeck. Dort erwartete uns zum Abschluss dieses ohnehin schon abwechslungsreichen Tages ein wunderschöner Sonnenuntergang über dem See, an dem unser Schiff liegt.
So ging heute nicht nur unsere Fahrt von Lehnitz über Berlin-Spandau und die Havel nach Potsdam zu Ende, sondern auch unsere eigentliche Reise mit der „Katharina von Bora“ näherte sich ihrem letzten Abschnitt – mit einem Tag, der noch einmal Natur, Wasser, Berliner und Potsdamer Geschichte, Kunst, Architektur und viele schöne gemeinsame Stunden miteinander verbunden hat.
Heute hieß es leider Abschied nehmen – unsere Kreuzfahrt mit der „Katharina von Bora“ von Stralsund nach Potsdam ging zu Ende. Nach acht abwechslungsreichen Tagen entlang der Ostseeküste, über die Boddengewässer, die Oder, zahlreiche Kanäle und schließlich bis nach Potsdam stand heute die Heimreise bevor.
Der Morgen begann deshalb etwas früher als gewohnt. Bereits um 8 Uhr waren wir beim Frühstück, und zu diesem Zeitpunkt mussten unsere Koffer schon fertig gepackt auf dem Gang stehen. Auch die Kabinen mussten geräumt sein, damit die Crew nach der Abreise der Gäste mit der Reinigung und Vorbereitung für die nächste Reise beginnen konnte. Trotzdem ließen wir uns beim letzten Frühstück an Bord nicht allzu sehr hetzen und genossen noch einmal ganz gemütlich die letzte Mahlzeit auf unserem schwimmenden Zuhause.
Gegen 9 Uhr verließen wir schließlich das Schiff. Von der Anlegestelle liefen wir zu Fuß zum Potsdamer Hauptbahnhof, der nur wenige Minuten entfernt lag. Dort stiegen wir gegen 9:40 Uhr in die S-Bahn Richtung Berlin. Die Fahrt führte uns durch die Berliner Vororte bis zum Berliner Hauptbahnhof, unserem Ausgangspunkt für die endgültige Heimreise.
Dort hatten wir noch rund eine Stunde Zeit bis zur Abfahrt unseres Zuges nach Nürnberg. Wir nutzten die Wartezeit ganz entspannt und setzten uns noch ein wenig auf den Platz beziehungsweise in den Außenbereich vor dem Hauptbahnhof. Während der Morgen zunächst noch eher kühl und bewölkt gewesen war, kam inzwischen sogar die Sonne heraus, und es wurde richtig schön warm.
Unser Zug nach Nürnberg fuhr anschließend pünktlich vom Berliner Hauptbahnhof ab. Ein besonderer Moment war dabei die Abfahrt aus dem unterirdischen Bahnhofsteil: Der Berliner Hauptbahnhof ist ein architektonisch außergewöhnlicher Verkehrsknotenpunkt mit mehreren Ebenen, wobei der Fernverkehr auf den unterirdischen Bahnsteigen abgewickelt wird.
Die Rückfahrt verlief dann ausgesprochen reibungslos. Der Zug hielt unterwegs lediglich dreimal, und auf einigen Abschnitten erreichten wir eine Höchstgeschwindigkeit von rund 270 km/h. Trotz der relativ langen Strecke waren wir damit erstaunlich schnell wieder zurück, in gut 2,5 Stunden. Tatsächlich lief alles so perfekt nach Fahrplan, dass wir auf die Minute genau in Nürnberg ankamen.
Um 15 Uhr waren wir schließlich wieder zu Hause. Damit endete nach acht Tagen eine wunderschöne und abwechslungsreiche Reise von Stralsund nach Potsdam. Von der Ostsee über Rügen und Hiddensee, Stralsund, Wolgast, Stettin, Niederfinow und die vielen Wasserstraßen Brandenburgs bis nach Potsdam haben wir in diesen Tagen unglaublich viel gesehen und erlebt.